Argentinien - Ostküste

Grenzübertritt nach Argentinien: Gualeguaychù

Am 11. Februar 2020 ca. um 15.00 Uhr kommen wir via Fray Bentos an die Uruguayisch-Argentinische Grenze. Der Zeitpunkt ist nicht schlecht, es stehen fast keine Leute dort, wir können direkt zu einem Häuschen fahren. Der Grenzbeamte nimmt sich extrem wichtig, blättert diverse Male durch den Pass, will unsere genaue Reiseroute wissen, interessiert sich dann jedoch doch nicht dafür als wir zu erzählen beginnen. Wir sind irritiert, und verstehen nicht genau, was er von uns will. Erst als ich ihn frage, ob wir etwas falsch gemacht und ein Problem hätten wird er freundlicher, meint es sei alles in Ordnung und gibt uns den Einreisestempel. Wahrscheinlich hatte er gerade seine „knappen 5 Minuten“… Wir können jedenfalls passieren, fahren ca. 5 Meter weiter und parkieren das Auto am Strassenrand und gehen ins Gebäude um auch noch die Einfuhr des Fahrzeugs abzuwickeln. Das ganze Prozedere ist in ca. 15 Minuten erledigt, unser Auto wurde nicht kontrolliert und wir können unbehelligt weiterfahren. Wir sind etwas überrascht, da wir bisher von allen darauf hingewiesen worden sind, dass hier eher genauer hingeschaut wird. 

 

Im Grenzörtchen Gualeguaychù sehen wir einen grossen Carrefour in dem wir unseren ersten Grosseinkauf vornehmen und unser Vorratslager aufstocken. 

Das Örtchen scheint nicht viel herzugeben auf den ersten Blick, wir finden aber auf iOverlander hinweise auf einen Park und Übernachtungsmöglichkeit. Wir fahren also ins Örtchen hinein und entdecken zu unserer Überraschung dass es sich um eine grösseres und moderne Städtchen handelt, der Park ist eine riesige Parkanlage, durch einen Fluss abgetrennt vom Ort selber und wunderschön. Um uns herum wird gepicknickt, spaziert, gejoggt, Fussball gespielt und gechillt. Auf der gegenüberliegenden Uferseite befindet sich ein Restaurant mit Pool und Bar, in der Reggae gespielt wird. Wir geniessen den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier und frischgepresstem Zitronenwasser. 

Um ca. 23.00 wird die Musik abgestellt. Dafür wird nun ein kitschiger Latino-Film gezeigt und die Lautsprecherboxen auf Maximum gestellt. Wir entscheiden uns schlussendlich an einen anderen Platz im Park zu fahren. Dort verbringen wir eine ruhige und erholsame Nacht. 

Beim Frühstück am nächsten Tag streckt plötzlich eine ältere Frau ihren Kopf herein und beginnt mit uns zu plaudern. Sie ist ein riesiger Roger Federer Fan und findet es wahnsinnig toll, dass wir so am herumreisen sind. Sie bietet uns an, uns auf die kleine Insel im Fluss zu rudern, damit wir diesen wunderschönen Ort sehen können. Gluschtig gemacht sagen wir zu, auch mit der Aussicht auf einen Schwatz mit einer Einheimischen. Monica Gonzalo ist intelligent und sehr freundlich, aber wir bemerken bald, dass sie wohl ein wenig eine Schraube locker hat. Schlussendlich ist die Insel hübsch, aber eigentlich vor allem zugewuchert. Bevor sie uns wieder zurück gerudert hat wollte sie noch ein paar Sachen packen - und kam mit dem halben Haushalt angedackelt. Wir halfen ihr den ganzen Karsumpel ins Boot zu hieven. Schlussendlich sind wir uns nicht mehr ganz sicher, ob sie wirklich in dem Haus gewohnt hatte oder ob wir ihr gerade geholfen hatten die Hütte auszuräumen :-P 

Sie meinte zum Abschied, sie hätte ein paar gesundheitliche Probleme gehabt, deutete dabei auf ihren Kopf, aber jetzt sei wieder alles ok… Naja, wir sind da nicht ganz sicher. 

Buenos Aires

Von Gualeguaychù fahren wir schliesslich, dank der gestörten Lady ziemlich verspätet, los nach Buenos Aires. Diese Stadt wollen wir uns unbedingt anschauen, klingt sie doch nach Tango und Exotik pur. 

 

Leider bemerken wir bei einem kurzen Stop, dass wir nicht mit US-Dollar bezahlen können und keine unserer 5 verschiedenen Bank-/Kreditkarten angenommen wird. Bei einer nahe gelegenen Bank können wir ebenfalls kein Geld abheben. Nun stehen wir etwas ratlos da und überlegen uns, was zu tun ist. Mit den eingekauften Lebensmitteln kommen wir ein paar Tage über die runden, aber wir müssen ab der Hauptstrasse abbiegen, da wir die Mautgebühren nicht bezahlen können. Anstatt einer halben Stunde bis ins Stadtzentrum bedeutet das für uns eine knapp 3 stündige Fahrt durch die Agglomeration und den Feierabendverkehr…. Als wir schliesslich im Viertel Puerto Madero ankommen, wo wir gemäss iOverlander die Nacht verbringen können, sind wir mit den Nerven etwas am Ende. 

 

Die nächsten Tage verbringen wir mit etwas Sight-Seeing und vielen Bankbesuchen um an argentinische Pesos zu kommen. Da wir bald in relativ unbesiedelte Gegenden in Patagonien kommen werden wollen wir einiges an Bargeld mitnehmen, damit wir dort unten nicht plötzlich ohne Moneten dasitzen. Wenn schon die Banken in Buenos Aires regelmässig unser Bankkarten verweigern wird es eventuell im Süden nicht wirklich besser. 

Zwar können wir nun Geld abheben, jedoch finden wir heraus, dass der Maximalbezug  umgerechnet 120.- CHF beträgt, dabei wird jedesmal eine Gebühr von 10.- CHF erhoben. Wir überlegen uns als Alternative (die hohen Gebühren reuen uns) eine Geldüberweisung via Western Union an uns selber vorzunehmen. Wenn es doch nur so einfach wäre….

Am Auszahlungsschalter von WUA (Western Unionen Argentina) informiert uns die nette Senorita, dass leider unsere Namen in den falschen Felder eingegeben wären, und sie deshalb nicht auszahlen könne. Auf unsere Erklärung, dass wir selber ja die Absender seien und ebenfalls die Empfänger, dass diese Namen identisch sind und in unseren Pässen ja dasselbe stehe meinte sie nur wieder, dass da nichts zu machen seien. Einige Anrufe bei Western Union Schweiz und Deutschland später haben wir herausgefunden, dass die Argentinier seit gestern das System umgestellt haben, und nun neu die Felder „Nachname der Mutter“ und „Nachname des Vaters“ eingeführt worden sind. In der WU-App ist dies jedoch noch nicht angepasst, weshalb wir das Formular nicht richtig ausfüllen konnten. Zwei Tage später geben wir nach diversen Telefonaten mit WU und erneuten Versuchen genervt auf und finden uns damit ab hohe Gebühren am Bankomat/ATM bezahlen zu müssen. 

 

Nachtrag: Wir haben noch einen Tip von anderen Reisenden ausprobiert, anscheinend sind wir nicht die Einzigen mit diesem Problem. Der Tip ging so, dass man in ein Casino geht, dort Chips kauft und diese dann in Bargeld auszahlen lässt. Wir also ins Casino Puerto Madero (in Argentinien ist Glücksspiel illegal, deshalb war das Casino auf einem grossen Schiff, das dort fix stationiert ist). Wir kennen uns beide mit dieser Szene nicht aus und wussten nicht so recht, was uns erwartet. Es handelte sich allerdings nicht um ein luxuriöses Casino à la Las Vegas, sondern war eine ziemlich verkommene Höhle mit so richtig abgefuckten Spielsüchtigen, auf 4 Decks Spielautomaten und ein paar Rouletttische verteilt. Schlussendlich kauften wir für 50$ ein Spielticket (= Maximalbetrag pro Bezug) und haben es ca. 10 Min. später verschämt wieder auszahlen lassen. Da uns dabei sehr unwohl war und uns die Cassiers sehr komisch angeschaut haben, brachen wir das Unterfangen ab und sind nach Hause spaziert. 

 

Die Stadt selber hat uns sehr gut gefallen. Sie ist zwar riesig, hat jedoch trotzdem viel Charme und eine warme Atmosphäre (nicht nur wegen den mit 33 Grad aktuell sehr heissen Temperaturen) und man findet immer mal wieder ein Viertel mit coolen Bars und Restaurants. Gerade um die Puente de la Mujer herum und entlang beiden Ufern hat es diverse Plätzchen, und am Abend sorgen Tangotänzer und andere Unterhalter für Stimmung. Ein kulinarisches Highlight war das Abendessen im Restaurant Desnivel in einem der ältesten Viertel der Metropole - San Telmo. Der riesige und überladene Grill im Eingangsbereich versprach währschafte argentinische Kost - hier genant „Asado“ - und so war es auch. Wir assen ein Stück Rind vom allerfeinsten, dass die Teller abgegriffen waren, die Gläser schmutzig und das Ambiente mehr als hektisch und laut störte kein bisschen, denn das gehörte zur Authentizität des Lokals. Wir fühlten uns sehr südamerikanisch. 2x Lomo de Bife (je ca. 400g) mit Beilagen inkl. Wasser, Wein und Bier für umgerechnet 35 Fr. Das können wir definitiv weiterempfehlen.

 

Patagonien wir kommen 

Wir gönnen uns nochmals ein feines „Zmörgeli“ in einem der nahe gelegenen nobleren Restaurants (kostet 5.- / Pers.) und dann fahren wir aus der Stadt raus. Bereits nach ca. 30 Min. sind wir aus dem Zentrum raus - kurze Erinnerung an die 3h auf dem Hinweg…. Kopfschüttel - und weiter gehts. 

 

Zwei Tage fahren wir mehr oder weniger durch um dann am 16. wieder zurück ans Meer zu kommen. Die Landschaft ist, für uns Schweizer, beeindruckend riesig und flach. Die Kuh- und Schafherden ziehen sich links und rechts bis zum Horizont, wir bestaunen die endlosen Mais- und Getreidefelder und bewundern die riesigen Sonnenblumenfelder. Vereinzelt recken sich Bäume dem Himmel entgegen. Wir fahren während Stunden durch dieselbe Landschaft, spulen Kilometer um Kilometer ab und entdecken doch immer wieder Neues. 

Vereinzelt sieht man kleine Gruppen Nandus, straussenähnliche Vögel, und Guanacos, lamaähnliche Tiere, zwischen den hohen Sträuchern hervorgucken. Sie sind jedoch sehr scheu und halten sich von den Strassen und den Menschen fern. Wenn wir halten rennen sie sofort davon. 

 

Papageienkolonie in El Condor

El Condor ist ein kleines Örtchen am Meer, das durch seine grosse Papageienkolonie bekannt ist. Überall hört man das Gekrächze der hübschen Vögel und nach Einbruch der Dunkelheit sitzen sie überall auf den Strommasten. Da El Condor restauranttechnisch nicht viel hergibt bestellen wir an einer Imbissbude einen Hamburger und essen im Van. Es ist eh viel zu kalt („nur“ 21 Grad, aber mit Wind gefühlt viel kälter). Dann fahren wir hoch zum ältesten Leuchtturm Argentinies und beziehen unser Nachtlager. Die Sterne sind unglaublich hell und nah.

 

Puerto Madryn

In dieser Gegend gibt es viele Meerestiere, deshalb wollen wir nun einige der hiesigen Kolonien besuchen gehen. Wir fahren mit Zwischenstop in Las Grutas (sehr touristisches kleines Örtchen) nach Puerto Madryn (sehr touristischer grösserer Ort) und dort an einen einsamen Strand - Playa Doradilla - wo man vom Land aus Wale sehen soll. Dort bleiben wir zwei Tage und erholen uns damit etwas von der Reiserei. Leider wissen die Wale nicht, dass wir jetzt dort wären um sie zu sehen, wir vertreiben uns die Zeit mit lesen, planen, putzen und weihen unseren Aussengrill ein. Und immer wieder suchen wir das endlose Meer mit unseren Blicken ab, aber nein - kein Wal. Nicht mal ein lumpiger Fisch. Jedoch war gemäss Walkalender eigentlich zu erwarten, dass die Meeressäuger nicht auftauchen werden, wir sind im falschen Monat angereist. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

Nun könnten wir die berühmte Halbinsel „Peninsula Valdes“ besuchen, die überall bekannt ist für die tollen Tiersichtungen. Wir entscheiden uns jedoch dagegen: Gemäss unseren Recherchen ist die Walsaison wie erwähnt zu Ende und die Orcasaison hat noch nicht begonnen. Pinguine und Seelöwen können wir auch unterwegs noch treffen. Valdes würde bedeuten 140 km auf Schotterpiste, und wohl ein bis zwei weitere Tage, bevor wir weiterfahren können. Wir wollen aber so langsam mal Richtung Süden vorwärtskommen.

 

Punta Tombo

Weiter gehts deshalb zur grössten Brutstätte von Magellan-Pinguin-Kolonie der Welt auf Punta Tombo. Diese Tiere graben sich eine kleine Erdgrube unter den Büschen, wo sie schlafen, kuscheln und ihre Jungen gebären. Wir entdecken überall die putzigen Tierchen, sie passen sich erstaunlich gut in die Umgebung ein. Sie stehen in der Gegend herum und scheinen sich zu sonnen, krächzen sich etwas zu (sie machen Laute wie röhrende Esel und pumpen sich dafür mit Luft auf wie ein Dudelsack) oder watscheln um uns herum. Hier gilt: Die Pinguine haben immer Vortritt, wenn einer den Weg überqueren will müssen die Besucher halten.

 

Wir sind entzückt von den kleinen Stinkerchen (als ein Neugieriger mal näher kommt riecht man den durchdringenden Fischgeruch).

 

Kurz bevor wir den Park verlassen rennt uns noch ein Gürteltierchen um die Füsse. Auf den ersten Blick ziemlich hässlich, aber beim genaueren Hinschauen eigentlich unglaublich süss. Die hier verbreiteten Exemplare sind Zwerggürteltiere, welche nur ca 30 cm lang sind. Es wühlt in der Erde herum, um an die Insekten zu kommen (es kann mit seiner länglichen Nase unter der Erde atmen), und trippelt wie ein Ferkel hin und her um schliesslich im Gebüsch zu verschwinden. Für uns ein sehr exotisch wirkendes Tierchen. 

 

Unser Ausflug zu den Pinguinen handelt uns einige tolle Bilder ein, aber auch etliche Kilos an Staub… Durch das Dachfenster rieselt leise der Sand, respektive sucht der sich seinen Weg durch jede kleine Ritze. Ein feiner Puder bedeckt unseren Van von Innen und von Aussen. Zudem hat die Schotterpiste dem Auto etwas zugesetzt - wir müssen dringend ein paar Schrauben nachziehen, welche sich durch das Geruckel gelöst haben.

Seelöwen in Caleta Olivia

Auf unserem Weg in den Süden kommen wir nun an einer Seelöwen-Kolonie vorbei. Hier machen wir uns bis spät in die Nacht ans putzen, begleitet von den Geräuschen der Seelöwen - und einer unglaublich intensiven Ausdünstung der Tiere. Der liebliche Geruch ist eine Mischung von altem Fischfurz und vergammelnden Algen. Wir schliessen mal die Fenster. Zum Glück ist es seit den Papageien kühler geworden, tagsüber sind es nun nur noch um die 20 Grad, in der Nacht kühlt es auf ca. 10 Grad herunter. 

 

Am nächsten Morgen begutachten wir die Seelöwen. Die Tiere liegen faul in der Gegend herum, drehen sich und ihre Bäuche der Sonne entgegen und machen dabei „Alte-Männer-Geräusche“ (furzen, gruchsen, rülpsen vor sich hin), immer wieder unterbrochen durch kurze Gerangel wenn einer über die anderen hinwegsteigt, um sich ein anderes Plätzchen (meistens am liebsten dort, wo bereits ein anderer liegt) zu suchen. Das System dahinter haben wir nicht ganz verstanden, amüsieren uns dabei aber köstlich. Erstaunlich ist für uns jedoch wie sie ihre Flossen zu „Füssen“ umfunktionieren und damit auf allen vieren über den Strand hüpfen. 

 

 

Weiter geht es nun auf unserem Weg nach Feuerland. Wo wir im Norden noch vereinzelt scheue Nandus und Guanacos gesehen haben, stehen diese nun direkt am Strassenrand und fressen. Wir müssen mehrfach abbremsen, weil sie gerade über die Strasse rennen oder Anstalt machen, dies gleich zu tun. Wir wollen aber möglichst vermeiden weitere Tierleichen am Strassenrand zu hinterlassen (die allgegenwärtigen Transport-/Lastwagen richten bereits genügend Schaden an :-( ). 

 

Der Wind frischt nun auf, trifft uns beim Fahren immer wieder mit voller Wucht von der Seite. Bereits zuvor mussten wir das Lenkrad gut festhalten aufgrund der etwas unebenen Strassen. Jetzt klammern wir es regelrecht fest um den starken Winden entgegen zu halten und um den immer wieder auftauchenden Löchern in den Strassen auszuweichen. Im Grossen und Ganzen ist es jedoch weniger schlimm als befürchtet, auf den Hauptverkehrsachsen wird die Strasse gut instand gehalten. Daneben und oft auch in den Ortschaften finden sich jedoch Sandpisten und vor allem innerorts immer wieder Bremshügel/Bumps oder Einbuchtungen, die uns und vor allem dem Van das Leben schwer machen. 

 

Wir übernachten an einem Ort, der vor allem Sabrina in Entzücken versetzt. Unter einer Brücke, zwischen zwei Seen, umgeben von verschiedensten Vögeln und eben - vor allem Flamingos. Tausende Fotos zeugen von einer gewissen (leider einseitigen) Begeisterung - kaum schleicht (naja, wie Sabrina halt so schleicht) man sich an die Tiere heran fliegen sie sogleich mit grossem Gezeter davon. 

 


Film #2: Argentinien Ostküste


In unserem Bericht über das "Feuerland" kannst du uns bis ans Ende der Welt folgen